Schwarzwald Super – Einmal rund um Freiburg

aussicht

Warum steigt man auf den Everest? Weil er da ist.
Dieses berühmte Zitat hatte ich bisher immer fälschlicherweise Reinhold Messner zugeordnet.
Eine kurze Recherche stellt aber klar, dass es von dem Fast-Erstbesteiger George Mallory stammt. Dieselbe Recherche brachte aber auch folgende, verbreitungswürdige Gedanken von Messner zu Tage: “Ich kann Ausdrücke wie Ich habe den Berg bezwungen oder Ich habe den Berg erobert nicht mehr hören. Das ist Nazisprache. […] in Wirklichkeit sind wir da oben nur geduldete Kreucher und Fleucher.“
Diese Gedanken über Erhebungen sind im Hamburger Raum natürlich von absolut theoretischer Natur. Die passive Gewalt des Anstiegs wurde für mich aber höchst gegenwärtig, als ich nach langer Bahnfahrt endlich Freiburg erreichte. Ich besuchte Matze, den der aufmerksam Lesende bereits von seinem Brevet Bericht kennen könnte. Grund des Besuchs war das Schwarzwald Super. Eine sympathisch organisierte Tour rund um Freiburg mit 3 wählbaren Distanzen: Bronze (130km / 3000hm), Silber (170km / 4000hm) oder Gold mit 250km und 6500hm.
Hui.
Welche Route es werden sollte, wussten wir noch nicht genau. Erstmal ankommen, Beine hoch und ein Kaltgetränk. Während auf dem Beamer die Transcontinental Doku für Stimmung sorgte, öffneten wir ein weiteres Bier und betrachteten das Höhenprofil der morgigen Anstiege zur besser Planung. Ja, wird schon. Ähem.
Nach zu wenigen Stunden Schlaf klingelte der Wecker und nach einem guten Kaffee und Frühstück ging es gegen 5 Uhr zum Start.
frühstück

Etwa 30 FahrerInnen hatten sich auf einem Parkplatz vor Freiburg eingefunden, holten ihre Startkarten ab und standen etwas verloren herum: Frühstück gibt es auf dem Berg, so läuft das hier im Süden, von nichts kommt nichts! Aber es gab selbstgemachte Müsli Riegel, hervorragend.
karte

Matze und ich entschieden uns einfach mal direkt zu starten. Angesichts der umstehenden Mitfahrer hatten wir keine Befürchtung, das man uns nicht einholen könnte.
So war es dann auch. Ich wollte grade besagten selbstgemachten Riegel aus meiner Trikottasche kramen, als ein Sprintzug-artiger Block an uns vorüberzog. Nun gut, jeder wie er will.
Kurze Zeit später ging es gegen 6 Uhr in stiller Dunkelheit an den ersten Anstieg, den Kandel.
nacht

1

Jan Ullrich sagte einst, der Kandel sei ein steiler Berg, den er im Training meidet. Das ist doch gut. Dann kann ich ja direkt abschätzen, wie es weitergehen wird.
Ich schaltete aufs größte Ritzel und begann zu treten, was blieb mir auch anderes übrig. Jetzt wird sich zeigen, ob mein „Gegenwind ist der höchste Berg im Norden“-Gag wirklich tragfähig ist und meine Deichrunden geeignet sind, um auch Berge zu überwinden.
Eine knappe Stunde später waren wir oben und konnten endlich ein zweites Frühstück einnehmen und die Aussicht geniessen.
buffet

Die Temperatur war eher mässig, Nebel lag über dem Tal und so fuhren wir bald weiter. Abfahrt!
Ich hatte den Kandel im Schneckentempo gut bewältigt und war daher zuversichtlich für die folgenden Kilometer und vor allem Höhenmeter. Nach wie vor hatten wir uns nicht entschieden, ob es auf die Silber oder Gold Runde gehen sollte. Aber bis zu dieser Entscheidung hatten wir auch noch einiges vor uns.
Der weitere Verlauf der Tour liegt in einer Wolke aus rauschenden Abfahrten und sehr, sehr langen Anstiegen und ich habe nur noch bruchstückhafte Erinnerungen:
Der Feldberg war gar nicht so schwer. Die Kartoffelsuppe nach der Abfahrt war super. Dann ging es wieder bergauf.
wad

Das Radfahren im Süden ist wirklich einfach ein anderer Schnack. Während die Herausforderung im nördlichen Flachand eher der Kampf gegen die Monotonie und den Wind ist, entsteht das Rad-Erlebnis im Süden aus einem steten Auf und Ab und dem ungewohnten Wechsel aus viel zu schnellen Abfahrten und langen Anstiegen, die dadurch geprägt sind, das es immer noch etwas steiler wird.
Meinen persönlichen Tiefpunkt hatte ich nach etwa 125km am Anstieg zum Belchen. Ewig bergauf, kurz bergab und dann weiter weiter weiter bergauf. Eine Pause musste her und zwar schnell. Irgendwann rückt der rettende Versorgungsspunkt ins Sichtfeld, der Weg führt aber aussen rum und so pedalierte man weiter wie ein kleines Tretschwein. Irgendwann hörten wir endlich das mittlerweile gewohnte Angebot „Wein?“. Danke, aber lieber Nudelsalat, Kuchen, Limo, Kaffee, sehr gerne, vielen Dank.

hund essen

Mittlerweile hatten wir uns definitiv für die Silberrunde entschieden. Hinter uns lagen nun etwa 130km und über 3000hm. Ich wusste nun, ich schaffe es. Noch ein langer Anstieg und das war´s.

Der letzte Anstieg hiess passenderweise Notschrei und saugte nochmal alles raus. Bis zu 10% Steigung, aber vor allem Autos. Alles voller stinkender Autos, die an einem vorbei tuckerten, während man um Atem rang. Aber irgendwann waren wir oben. Unglaublich. Geschafft.

fertig

Und das ist dann ja das Schöne am Süden: Die letzten 20km ging nur noch bergab, so das wir nach 12 Stunden Fahrt überraschend frisch am Ziel ankamen.
Hier wartete wieder Wein auf uns, den wir diesmal sehr gerne annahmen.
Prost auf diesen Tag voller Radfahrspass, danke für Alles. Bis zum nächstenmal!

Ich bin die Tour mit unserem Baselayer unterm Trikot und dem Loop gefahren und war durchweg begeistert. Das Material blieb trotz der starken Feuchtigkeitsentwicklung beim Anstieg sehr angenehm und ist in den Abfahrten getrocknet, ohne den Körper zu stark auszukühlen.
Kann ich ohne Kompromisse empfehlen.